Oliver Meiske on Holzpirat

Diesen Beitrag hier von Oliver Meiske hatte ich hier schon mal verlinkt. Olivers Homepage ist aber nach Ärger mit dem Provider leider down. Er war so feundlich seinen Bericht hier auf holzpirat.org noch einmal zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank, Oliver!

PS: Ihr könnt Oliver und Matthias auf dem 2018er Festival persönlich kennenlernen, „Vene zu Ela“ hat gemeldet 🙂

BACK TO THE ROOTS – MIT DER HOLZPIRATJOLLE „VENE ZU ELA“ DURCH DIE LÜBECKER BUCHT

Gischt spritzt uns um die Ohren. Der frische Wind greift in die Segel. Das Schwert summt seine Begeisterung. Jaaa, wir sind in voller Gleitfahrt. Gewicht nach hinten verlagert, sausen wir mit Vene zu Ela über die Wellen vor Travemünde.
Nach Jahren des Yachtsegelns sitze ich nun als Vorschoter im Holzpirat Vene zu Ela meines Freundes Matthias. Im neuen Neoprenanzug…

„Jetzt ist wieder Sport angesagt!“ Die Worte des Verkäufers klingen noch in meinen Ohren. Erst vor kurzem habe ich beim Händler des Vertrauens den Neoprenanzug gekauft. Er kennt mich und freut sich über die Entscheidung „Back to the roots“. Mit dem Hinweis „Das ist meine Jugendförderung“ macht er mir einen guten Preis. Die Weichen sind gestellt!

Eine Welle klatscht in mein Gesicht. Ich schmecke das Salz der Ostsee. Das ist genau das, was ich viele Jahre vermisst habe. Diese unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Wasser und dem Wind. Das ist der Kick des Jollensegelns. Herrlich, mittendrin statt weit entfernt. Ein glückseliges Gefühl. Ein Gefühl der F R E I H E I T !

Sensibel reagiert das Boot auf unsere Trimmeinstellungen. Konzentration ist gefordert, um das Optimum an Speed und Spaß herauszuholen. Wir haben es als Team super im Griff. Und auch das richtige Gewicht auf der Kante. Vene zu Ela stürmt durchs Wasser.
Wir zischen an Dickschiffen vorbei. Blicke verfolgen uns. Anerkennendes Nicken. Diese Blicke kenne ich. Auch ich beobachtete als Yachtsegler gerne die Jollen und freute mich mit den Jollenseglern.

Was für ein Segelspaß!

Wir sind schnell. So manche Segelyacht wird spielend abgehängt. Die Vollholz-Piratjolle Vene zu Ela ist ein schnelles Regattaboot. Mit vielen Regattaerfolgen in seiner langjährigen Geschichte.

Gebaut wurde der Pirat 1962 auf der Werft Yacht- und Bootsbau Bruno Steffen in Lübeck-Schlutup. Aus Gabun- und Eichenholz. Konzipiert als Trockenlieger mit Gabelpinne und Elvström-Segel. Ein Geschenk des Onkels aus Venezuela an seinen Neffen Günther Faust, dem späteren und langjährigen Vorsitzenden des Lübecker Yachtclubs. Sechs Jahre segelte Günther Faust die Piratjolle Venezuela mit dem Segelkennzeichen G 2057 auf vielen Regatten. Das Boot mit Vollholzdeck ist schwer, aber sehr schnell. Drei Travemünder Woche-Siege ersegelt sich der schnelle Pirat.

1996 wird der Holzpirat G 2057 vom Bootsbauer Klaus Voigt umfassend renoviert. Das schwere Vollholzdeck wird durch ein leichteres Sperrholzdeck ersetzt. Ein Jahr später ist mein Freund Matthias der stolze Besitzer dieses Schmuckstücks. Sein Sohn ist bekannt als Autor und Wortspielereien für die Satire-Website „Der Postillon“. So hat er die Idee zum neuen Namen Vene zu Ela. Ein Augenzwinkern zum lübschen Sprachgebrauch, wo das „zu“ gerne gewählt wird. Wie zum Beispiel beim Ratskeller zu Lübeck und nicht Lübecker Ratskeller. Das passt! Vene zu Ela liegt als Trockenlieger auf dem Gelände Mövenstein des Lübecker Yacht-Clubs. Der ideale Liegeplatz für das Segeln in der Lübecker Bucht.

Oder auch für längere Touren in dänische Gewässer. Matthias ist mit den Vorgänger-Piraten Schabracke (G 1470) und Muru (G 471) mehrmals nach Dänemark gesegelt. Einmal von Heiligenhafen rund um Fehmarn in die Gewässer von Ærø¸. Später auch nach Møn. Im Oktober! Mit Proviant, Schlafsack und Zelt. Das geht lässig mit der Piratjolle. Ein sehr vielseitiges Boot!

Nun segeln wir vor Travemünde. Meine Segelleidenschaft ist mit dem Piratsegeln neu entfacht. Dicht am Fahrwasser der Skandinavienfähren. Auf der gegenüberliegenden Seite das beeindruckende Brodtener Steilufer. Hinter uns die Masten der Passat mit dem weit in der Lübecker Bucht sichtbaren Maritim-Hotel. Vor uns der markante Menck-Pfahl.

An einem anderen Tag weht nur ein leichter Lufthauch über die Ostsee. Vene zu Ela läuft wie von einem Elektromotor angetrieben. Ich bin beeindruckt von den Segeleigenschaften der Holzpiratjolle.

Das kristallklare Wasser lädt zu einem Bad ein. Ich lasse mich ins Wasser gleiten und mache mit der wasserdichten Fotokamera einige Aufnahmen. Eine interessante Perspektive. Lautlos segelt Matthias mit seiner Vene zu Ela an mir vorbei. Der Holzpirat spiegelt sich im glatten Ostseewasser. Im Hintergrund fährt eine der großen Fähren nach Skandinavien. Ich liege im Wasser und geniesse diesen schönen Anblick!

Back to the roots. Ich bin angekommen! Das Wasser spritzt ins Gesicht. Ich bin glücklich wie seit langem nicht mehr!

3 Gedanken zu „Oliver Meiske on Holzpirat

  1. Hey – schöner Bericht und tolle Bilder – die Begeisterung kommt richtig rüber. Du schreibst, dass die VenezuEla ein Trockenlieger sei – ich habe einen Piraten mit selbem Baujahr und den würde es im Sommer an Land zusehends zerlegen – naja zumindest undicht werden lassen. Ist die Jolle folglich überlaminiert?

  2. Moin Britta,
    ich werde am Wochenende bei Oliver nachfragen, zur Not: im Juni kommt das Boot ja zum diesjährigen Festival. Dann klärt sich das spätestens 😀

    Viele Grüße Malte

  3. Alles klar. U.U.kann ich ja auch selber gucken – aber momentan sind noch zu viele Dinge in der Schwebe – daher bisher keine Zusage zum Festival von SUE.
    Grüße aus dem sonnigen Norden,
    Britta

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