Teil 4 – bis zum Unterwasserschiff

Copyright: Rolf Bertschinger (mit freundlicher Genehmigung für www.holzpirat.org)

Bearbeitung des Kiels für die Sponung

Zuerst wird die überstehende Ecke des Kimmwegers mit den Spanten fluchtend gehobelt. Erst mit der elektrischen Hobelmaschine und die Feinjustierung besser mit dem Handhobel. Mit einem Stück „Bodenplanke“ (Breite: 15 cm Länge: 90 cm Dicke: 8 mm) die man über die Spanten legt, kann der Winkel auch zwischen den Spanten kontrolliert werden, Abb. 46.
Gleichzeitig wird auch die Schmiege der Spanten bearbeitet, so dass die Bodenplanken zum Verleimen flächig aufliegen.
>> Die „Bodenplanke“ sollte dabei immer über 3 Spanten gelegt werden, damit sie die richtige Wölbung bekommt. Von Spant 9 bis zum Vorsteven wird der Winkel immer steiler.

Abb. 46

Rolfs-Neubau-046

Nun wird der Kiel für die Sponung und das Einfügen der Bodenplanken vorbereitet. Dazu legt man das eben schon verwendete Stück „Bodenplanke“ über 3 Spanten, als Auflage für die Hobelmaschine. Auf die Hälfte der Auflagefläche der Hobelmaschine klebt man mit Doppelklebband ein Stück Furnier von 1mm Dicke und hobelt den Kiel fluchtend mit den Spanten ab, Abb. 47.

Abb. 47

Rolfs-Neubau-047

Durch die erhöhte Lage der Hobelmaschine, steht der Kiel 1mm über den Planken. Diese „Übermass“ wird nach dem Verleimen der Planken mit diesen bündig geschliffen und gleichzeitig die „Kielabrundung“ laut Klassenvorschriften 8.1.5 geformt.
Beginnend am Heck funktioniert das Hobeln gut bis zum 9. Spant. Da sich ab hier die
„Bodenplanke“ immer stärker verdreht kann sie nicht mehr als Auflage für die Hobelmaschine benutzt werden. Von Spant 9. bis zum Steven muss daher mit dem Handhobel und etwas Geschick weitergearbeitet werden. Für die Begrenzung der Fläche empfiehlt es sich, von Spant 9 bis Spant 11, wo der Kiel eine Breite von 18 mm hat, einen Strich zu ziehen, Abb. 48.

Zur Ermittlung des richtigen Winkels beim Hobeln, hilft ein Lineal der über den Kimmweger bis zum Kiel gelegt wird.

Abb. 48

Rolfs-Neubau-048

Als nächstes wird der Oberfräser auf die gehobelte Fläche gesetzt und die Sponung für den Einsatz der Bodenplanken gefräst, Abb. 49.

Abb. 49

Abb-049_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Die Breite der Sponung ist 16 mm, die Tiefe 9 mm. Als Anschlag für den Oberfräser diente eine mit Schraubzwingen auf dem Kiel befestigte Latte (auf dem Bild nicht sichtbar).
Auch hier wird es ab Spant 9 durch den zunehmend spitzeren Winkel und die schmalere Auflagefläche schwierig den Oberfräser sicher zu führen und es muss mit dem Stemmeisen und dem Eckhobel weiter- gearbeitet werden.

Zwischen Spant 10 und 11 beginnt der Übergang zur Sponung am Vorsteven, Abb. 50.

Abb. 50

Rolfs-Neubau-050

Anpassen der vorderen Bodenplanken

Zunächst aus Karton eine Schablone herstellen, vom Bug bis ca. 20 cm hinter den 7. Spant und mit 2 cm Zugabe aus dem Marinesperrholz schneiden. Bei Spant 7 eine „Auflage“ anbringen auf der zum Anpassen die Planke in vertikaler Lage abgestützt werden kann. Siehe Abb. 51 und 53.

Abb. 51

Abb-051_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Abb. 52

Rolfs-Neubau-052

Die Planke am Vorsteven mit einer Schraubzwinge fixieren. Dafür wird wieder ein Keil benutzt, um eine parallele Angriffsfläche für die Schraubzwinge zu erhalten. Damit sich beim Biegen der Planke der Druck besser verteilt, wird eine zweite Schraubzwinge am Kimmweger angebracht, Abb. 52 a). Nun kann die Planke sachte heruntergedrückt
und am Kiel angepasst werden, Abb. 54. Mit dem Handhobel werden, in vertikaler Lage Abb. 53, noch zu breite Stellen abgehobelt. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Planke passgenau in die am Kiel eingefräste Sponung passt.

Abb. 53

Abb-053_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Abb. 54

Abb-054_SUI-Holzpirat-Eigenbau

 

Lärcheneinsatz

Da die Bodenplanke (Marinesperrholz) bis an die Kimm reicht, und so etwa ab dem 9. Spant Teil der Seitenwand wird, muss auf das Sperrholz ein „Lärchenholzeinsatz“ geklebt werden, damit die ganze Seitenwand eine einheitliche Holzstruktur bekommt. Dazu wird die Bodenplanke unterhalb der Kimm, von vorne bis 15 cm hinter den 9. Spant, 1,6 mm tief mit dem Oberfräser ausgefräst und ein 4 mm dickes Lärchenblatt eingeleimt. Dieses Furnier wird zur unteren Seite hin kontinuierlich auf die Dicke des Sperrholzes plangehobelt. Auf der Kimmlinie belässt man die volle Dicke. Damit ist die Bodenplanke am Stoss mit der untersten Seitenplanke in etwa gleich dick. Die Breite des Einsatzes ist auf der Abb. 55 ersichtlich.

Abb. 55

Rolfs-Neubau-055

 

Schäftung der Bodenplanken

Bevor die vordere Bodenplanke verleimt werden kann, muss mit der Hobelmaschine eine 8 cm breite Schäftung gehobelt werden. (Die Breite der Schäftung sollte 10 x der Materialdicke entsprechen). Am dünnsten Ende soll die Planke noch 1mm dick sein und am anderen Ende ein Absatz von 1 mm haben. Die Schäftung soll also nicht scharf auslaufen; damit reisst das Holz nicht aus und man erhält eine saubere Naht, Abb. 56.

Abb. 56

Rolfs-Neubau-056

Für diese Arbeit habe ich mit einem Alu-U-Profil und in der Höhe verstellbaren Gleitern eine Vorrichtung gebaut, mit der das Schäften gut bewältigt werden konnte.

Die Vorderkante, Abb. 56 k), neigt dazu sich beim Hobeln nach oben zu biegen und muss daher mit Teppich-Doppelklebband auf der Unterlage fixiert werden. Da die dünne Vorderkante sehr verletzlich ist, habe ich zum Schutze ein 12 cm breites Stück Sperrholz ebenfalls geschäftet und als Abdeckung mit 6 durchgehenden M5-Schrauben auf der Planke fixiert. Die Löcher sollten mit denen der „Verleimvorrichtung“ identisch sein. Siehe Abb. 58.

 

Verleimen der Bodenplanken

Nach dem Anpassen der Planke und einer provisorischen Positionierung, mit einem Bleistift von unten die Spanten, Kiel und Kimm-weger anreissen. Diese Begrenzungslinien helfen beim Auftragen des Leims und zum Bohren der Schraubenlöcher.

Planke umdrehen und die Löcher für die Schrauben bohren: pro Spant 4 Torx-Schrauben 4 x 30. Entlang des Kiels im vorderen Bereich, wo die Verwindung am Stärksten ist, alle 8 cm eine Torx-Schraube 4 x 25 setzen und ab Spant 9 alle 10 cm. Planke wieder umdrehen und auf der Aussenseite die Löcher 45° ansenken. Die Schraubenlöcher in den Planken so gross bohren, dass die Schraube leicht durchgeführt werden kann und nur im Spant bzw. im Kiel greift. Nur so entsteht ein fester Verbund. Für das Eindrehen der Torx-Schrauben ins Holz muss nicht vorgebohrt werden.
Am Kimmweger werden die Planken nur mit Schraubzwingen fixiert, Abb. 57. Das hat den Vorteil, dass beim Verschrauben der letzten Seitenplanke keine Schrauben im Wege stehen.
Am Schluss der Verleimung den „Kantenschutz“ bei der Schäftung entfernen und der geschäftete Teil mit Schraubzwingen auf dem Kiel bzw. dem Kimmweger fixieren, Abb. 57 c). Die vorderen Bodenplanken benötigen je 100/20 ml SP 106 Harz/Härtergemisch.

Abb. 57

Rolfs-Neubau-057

Die hinteren Planken werden genau so wie die vorderen montiert. Da hier die „Verwindung“ gering ist, genügt entlang des Kiels ein Schraubenabstand von 15 cm vorausgesetzt, die Planke liegt überall gut auf. Die hinteren Bodenplanken benötigen je
125/25 ml SP 106 Harz/Härtergemisch. Da wo die Planken miteinander verklebt werden
überdeckt man die Schäftung auf beiden Seiten mit 8 mm Sperrholzbrettchen und verschraubt diese mit durchgehenden M5-Schrauben, Abb. 58. Am Schluss werden die Löcher mit Holzpfropfen zugeleimt.

Abb. 58 Verleimvorrichtung

Abb-058_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Für eine gleichmässige Rundung in Längsrichtung, muss die Verbindungsnaht (Schäftung) zusätzlich zur Verschraubung, mit Latten, die an der Decke abgestützt sind, leicht nach unten gedrückt werden, Abb. 59 d).

Abb. 59

Rolfs-Neubau-059

Mit dem Anpassen der 4. Seitenplanke wird die Aussenhaut geschlossen. Die 4. Seitenplanke überdeckt die Stirnseite der Bodenplanken vom Heck bis zu Spant 9, Abb. 60 A). Von da bis zum Bug stossen die Boden- und Seitenplanken mit einem stumpfen Winkel aufeinander, Abb. 60 B). Das bedeutet, dass die Bodenbeplankung vom Heck nur bis zum 9. Spant mit dem Kimmweger bündig gehobelt werden darf. Von Spant 9 bis zum Bug wird das Anpassen der Planke noch einmal richtig spannend!

Abb. 60

Rolfs-Neubau-060ab

Zunächst wird die Bodenplanke mit dem Lärcheneinsatz ab Spant 9 bis zum Vorsteven mit dem Oberfräser auf der Kimmlinie mit einem stumpfen Winkel, wie auf der Skizze von Abb. 60 B) dargestellt, in Form gefräst.

Durch die zunehmende Neigung der Bodenplanke, am Vorsteven steht sie fast senkrecht, wird der Winkel gegen vorne immer stumpfer. Zur sicheren Führung kann eine Leiste, die als Anschlag für den Oberfräser dient, montiert werden Abb. 61 a).

Da es nicht einfach ist nur mit dem Oberfräser einen gleichmässigen Verlauf zu erzielen, muss mit dem Eckhobel nachgearbeitet werden. An die so vorbereitete Bodenplanke kann nun die 4. Seitenplanke angepasst werden.

Abb. 61

Rolfs-Neubau-061

Man beginnt mit der unteren Kante und der Nut für die Überblattung mit der 3. Seitenplanke. Danach kann die Planke vom Heck bis zum 9. Spant provisorisch montiert werden, Abb. 62.

Abb. 62

Rolfs-Neubau-062

Wenn man alleine ist und helfende Hände fehlen, müssen zu diesem Zweck Stützen angebracht werden, hinter die die Planke zum Anpassen geklemmt werden
kann, Abb. 63.

Abb. 63

Abb-063_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Diese Massnahme lohnt sich, da die Planke für das Anpassen und Bearbeiten x – Mal positioniert und wieder weggenommen werden muss.

Der schwierigste Teil ist das Anpassen an die Bodenplanke von Spant 9 bis zum Vorsteven.

Die ungefähre Breite der Planke kann gemessen und angerissen werden und dann wird so lange am stumpfen Winkel abgehobelt, bis sich die Planke passgenau an die Bodenplanke anschmiegt. Zur Bestimmung des „stumpfen Winkels“ fertigt man ein Musterstück an, das genau an die Bodenplanke passt und überträt den Winkel mit einem Winkelmesser auf das Werkstück. Ab Spant 10 muss der Winkel am Musterstück nachjustiert werden, da er ab hier stumpfer wird.

Gleichzeitig muss die Seitenplanke auch in der Sponung am Vorsteven bündig abschliessen. Bis jetzt musste in der Länge nur am Vorsteven angepasst werden, während  der Überstand am Heck einfach bündig gehobelt werden konnte. Da aber jetzt die Überblattung unten schon fertig ist und die Distanz zwischen dem Stoss, (Abb. 62) und der Sponung am Vorsteven gegeben ist, kann man nichts mehr korrigieren für den Fall, dass man zuviel Material abgetragen hat. Das erschwert die Angelegenheit und daher soll man sich für diese Arbeit genügend Zeit nehmen! Als Werkzeug dient ein kleiner Hobel und beim eckigen Übergang am Stoss, ein scharf geschliffener Stechbeitel.

Abb. 64

Abb-064_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Der Leimverbrauch für die 4. Seitenplanke ist 150/30 ml SP 106 Harz/Härtergemisch. Beim Verleimen drückt man zwischen den Spanten, wo die Planke nicht verschraubt werden kann, Dachlatten mit „Nase“ nach dem „Hebelprinzip“ gegen die Planke, um eine lückenlose Verbindung der Überblattung sicherzustellen, Abb. 65.

Abb. 65

Abb-065_SUI-Holzpirat-Eigenbau
>> Zum Festziehen der Schraubzwingen, auf der Innenseite ein Stück Dachlatte unterlegen, damit sich der Druck auf alle Planken verteilt. Entlang der Kimm jeweils eine Schraube auf den Spant und je 2 Schrauben zwischen den Spanten eindrehen (also ca. alle 15 cm eine Inox-Torx-Schraube 4 x 25).

Zum Verbohren der 4. Seitenplanke ist eine Kartonschablone zur Ermittlung der
Lochhöhe für die Schrauben entlang der Kimm eine nützliche Hilfe, Abb. 66.

Abb. 66

Rolfs-Neubau-066

Am Schluss auf der Innenseite den überschüssigen Leim entfernen, das spart viel Arbeit, denn wenn der Leim erst mal hart geworden ist, wird das „Säubern“ arbeitsintensiv. Der Überstand der Planke vom Heck bis zum 9. Spant wird nun mit dem Boden bündig gehobelt. Hier hat sich ein scharfer Handhobel am besten bewährt. Mit der elektrischen Hobelmaschine wird schnell auch die Bodenplanke beschädigt.
>> Das gleiche gilt übrigens auch für das bündig hobeln der Planken am Spiegel. Vom Heck bis Spant 4 wird die Kimm nur ganz leicht abgerundet. Im weiteren Verlauf bis zu einem Radius von max. 8 mm. Siehe Klassenvorschriften 7.9.

Die Schraubenlöcher werden mit Holzpfropfen (Dötzli) verschlossen. Beim Verleimen derselben, muss auf die Richtung der Maserung (und Farbe) des Holzes geachtet werden, Abb. 67.

Abb. 67

Rolfs-Neubau-067
Nach dem Trocknen (12 Std.) den „Überstand“ wegstemmen, Abb. 68. Dabei beginnt man einige Millimeter über der Plankenebene, denn je nach Verlauf des Holzes bricht der Pfropfen auch mal schräg nach unten weg und kann im ungünstigsten Fall nicht mehr plangeschliffen werden. Den letzten Millimeter wird dann mit dem Schwingschleifer plangeschliffen.

Abb. 68

Abb-068_SUI-Holzpirat-Eigenbau

 

 

Unterwasserbehandlung

Mit einem mit Brennspiritus befeuchteten Tuch das Unterwasserschiff abwischen, um allen Schleifstaub zu beseitigen. Hempel Light Primer mit einer 10 cm breiten kurzhaarigen Velourrolle auftragen. Diese modernen 2-K Farben sind zwar nützlich für das Schiff, aber weniger gut für die Lungen! Beim Streichen für gute Belüftung sorgen und eine Maske mit Filter gegen Lösungsmitteldämpfe tragen (z.B. von 3M).

1. Anstrich 250ml Primer /125ml Härter / 120 ml Verdünner 845 (ca. 30%)
2. – 5. Anstrich 370ml Primer /185ml Härter / 50 ml Verdünner 845 (ca. 10%)
Ohne Verdünnung würde sich die Farbe nicht gut auf der Oberfläche verteilen. Alle 5 Anstriche ergeben eine Schichtdicke von etwa 0,5 mm. Bei einer Temperatur von 12-13°C kann man alle Anstriche hintereinander an einem Tag auftragen und dann 1 Woche trocknen lassen. Arbeitszeit ca. 8 Std. Verbrauch: 3 ½  Gebinde à 750 ml,  Abb. 69.

Abb. 69  Das Gewicht des Bootes beträgt jetzt 98,4 Kg.

Abb-069_SUI-Holzpirat-Eigenbau

Auf den Light Primer wird zum Schutz vor Bewuchs und zur Verminderung der Oberflächenreibung „Aalglatt“ von Nautico aufgetragen. Das Unterwasserschiff zuerst mit 220er Schleifpapier glattschleifen und mit Scotch-Brite (Hand Pad) rotbraun (fein) auch die kleinen Unebenheiten matt schleifen. Mit einem mit Brennspiritus befeuchteten Tuch den Schleifstaub entfernen und Aalglatt auftragen. Die Seitenwände werden natürlich mit Zeitungspapier abgedeckt. Beim Spritzen 8 – 10% Hempels Verdünner 808 einrühren.

Aalglatt kann 3 Monate, mindestens aber 3 Tage vor dem Einwassern aufgebracht werden.

Für die nächsten Arbeitsschritte wird der Pirat wieder auf den Kiel gestellt und mit 4 Keilen seitlich abgestützt.

 

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