Pirat G116 Antje

Hier berichtet uns Dietrich Kurz von seiner Restaurierung. Vielen Dank, Dietrich.

Hier noch ein paar Zeilen zum Piraten; ich habe den Ihn vor Jahren geschenkt bekommen. Der Zustand war „gut abgelagert“. Er ist Baujahr 1948, aber erst `49 gelistet, da er im Februar ausgeliefert bzw. vermessen wurde (als „Antje“ Nr. 116). Als ich ihn bekam war der Rumpf in Ordnung, wäre sogar wohl noch geschwommen. Der Mast war eher nicht so gut und sonst war nichts dabei.

Egal! Ich habe dann mit dem Rumpf begonnen. Das Unterwasserschiff abziehen, die alten Lenzer zu machen und den Schwertkasten einmal heraus nehmen. Den leicht erweiterten Schwertschlitz habe ich mit zwei schön eingeschäfteten Teilen erneuert, so dass man von innen nichts sieht.

Natürlich habe ich mich dann auch tagelang mit den schönen, rostig originalen Stahlschrauben abgemüht. Bis auf etwa 4 Abgebohrte ist nun tatsächlich alles in Edelstahl. Dann den überholten Schwertkasten wieder rein und den Rumpf unter Wasser gestäbelt und mit einem Biaxialgelege und EP laminiert. So ist die Jolle transportfähiger und verträgt den Trockenliegeplatz besser.

Das Deck war übel, so habe ich es ganz neu gemacht. Da Sperrholz weder original war und meist übel aussieht, entweder falsches Holz oder Schälfurnier. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und Gabun-Brettwahre auch gefunden. Ich habe also ein neues massives Deck gebaut, nur die alten Brettbreiten waren nicht zu halten. Dann habe ich alles und viel beschichtet. Zwischendurch „mal eben“ innen abgezogen und beschichtet.

Danach baute ich die Böden aus Weißtanne, und fand auch eine schöne, astfreie Weißtanne für das neue Rigg. Mast und Baum wurde also auch neu, nach den alten Zeichnungen, gebaut. Denn den alten Mast zu überholen hätte den Aufwand nicht gelohnt und den Baum hatte ich eh nicht. Es waren zu viele Nähte offen, der Leim hatte seine Zeit hinter sich.

Es mag so klingen als hätte ich zu viel Langeweile, nein – aber ich habe die Arbeiten nun über 2 1/2 Jahre verteilt gemacht. Immer wieder intensiv ran und danach intensiv Pause. Eine Baby-Pause gab es auch noch zwischen drin…. der Umstand dass ich Bootsbaumeister bin erleichtert natürlich auch so manches; außer dem Faktor Zeit.

Bei Dauelsberg habe ich noch einen Großeinkauf gemacht. Bald werde ich die Beschläge montieren. Am 1. Mai 2013 geht es auf die Boat-Show im Ultramarin-Hafen hier in Kressbronn. Bis dahin fehlt nur noch das Ruderblatt und andere kleine Dinge…. (den neuen Ruderkopf hab ich ja, fehlt noch die Gabelpinne. Gedämpft oder formverleimt …? Ich freue mich schon das erste Mal auf den `See zu gehen (der `See nennen wir hier unten einfach unseren Bodensee).

Viel Spaß mit den Fotos, freue mich auf Kommentare, und wer hat, auch Fragen.

Dietrich

# # # update: diese Jolle wird hier zum Verkauf angeboten # # #

Hinweis:
Dietrich war beim 2013er Festival der Holzpiraten mit „Antje“ Nr. 116 (neu: „Amy“) dabei. Man kann seinen schönen Holzpiraten in diesen Video bei Minute 2:10 (kurz) und 3:10 (etwas länger) segeln sehen.

6 Gedanken zu „Pirat G116 Antje

  1. Hallo Dietrich,
    ich zolle Dir einen großen Respekt für deine Arbeit.
    Als ich das Boot in deine Hände gab war mir klar das du die alte Dame zu neuer Schönheit erblühen lässt.
    Auch aus dem Grund das es sich hierbei um einen Piraten der A&R Werft handelte befand ich es bei dir in den richtigen Händen.
    Freue mich schon sehr darauf es zu besichtigen auf der Bootsmesse in Langenargen Anfang Mai 2013
    Bis dahin viele freundliche Grüße von deinem Bootsbaukollegen
    Michael Lehnen

  2. Moin Dietrich,
    Dein selbst gebauter Mast und Baum hat mich heute auf dem Festival stark beeindruckt!
    Ich wünsche Dir weiterhin ein gutes Gelingen.

    Viele Grüße
    Tim Meyer von der Weser

  3. Hallo Dietrich, danke für diesen tollen Bericht über die Restaurierung. Ich habe mir einen A&R Piraten von 1954 zugelegt und möchte im Frühjahr mir der Restaurierung beginnen.
    Vorher würde ich gerne mit Dir in kontakt treten um ein paar Details mehr zu erfahren. Die Fotos zeigen schon eine Menge, ich hätte noch gerne Informationen zum Unterwasserschiff, z.B. welche Materialien Du verwendet hast.

    bisher herzlichen Dank

    Bernd Kasten aus Duisburg
    [Emailadresse entfernt damit du kein Spam erhältst, Dietrich habe ich deinen Kommentar als Email weitergeleitet]

  4. Hallo, Dietrich,
    unser alter Holzpirat (G 944) hat Schwierigkeiten mit dem Schwertkasten.
    Du hast offenbar Erfahrungen mit dem Ausbau und der Restauration. Gibt es Detailpläne dazu?
    Vielleicht sollten wir darüber einmal telefonieren.
    LG
    Bernhard

  5. Im Jahr 1960 bin ich in den Lübecker Segler Verein als 11 jähriger eingetreten und dort habe ich den älteren Herrn „Opa Meyer“ mit seinem Piraten G 116 kennengelernt. Wir sind in der zeit häufig gegeneinander gesegelt, zunächst fuhr ich im „Puschen
    =Mickyboot“ gegen Herrn Meyer, später kauften wir uns auch einen gebrauchten Piraten. Wenn ich jetzt die alten Segelnummern wieder auftauchen sehr, dann werden Gefühle geweckt, das macht Spaß.
    Uns Allen viel Freude an den Holzpiraten und immer eine handbreit Wasser……
    Peter Otte

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