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Schrauben, Nageln, Nieten?
#1
Liebe Wissende,

ich restauriere einen alten Piraten Bj 1957, VEB Köpenick und habe Fragen zu den Verbindungen.
1. Die Spanten sind genietet aber teilweise etwas lose, wackeln ein bisschen. Genietete Verbindungen hatten ja sicher einen Grund. Würde die gern zusätzlich verschrauben, ist aber unter Deck und ich komme später nicht mehr ran, spricht da was dagegen?
2. Das Deck (Vollholz) war zu 80% genagelt, würde das auch komplett schrauben, spricht was dagegen?
3. Gleiches bei den Wegern, die muss ich erneuern, waren auch genagelt.
4. Gibt es eine generelle Übersicht welche Verbindungen wie ausgeführt werden sollten um der Bewegung im Boot zu entsprechen?

Danke vorab für Euer Wissen!

Herzlich,
Hanna
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#2
Hallo Hanna,

ich fange mal rückwärts an:

zu 4.) Nein es gibt keine Vorgaben und daher gibt es auch viele Bauausführungen. Das kann je nach Bootswerft oder Bootsbauer sich stark unterscheiden.

Bei mir (ein Selbstbau) kamen insgesamt am Boot nur ein paar Nieten zum Einsatz und sonst viele Eisenschrauben, die fast alle korrodiert sind und schwarze Flecken hinterließen. Ich habe daher mit Bronzeschrauben viel gearbeitet, mehr dazu hier: http://www.holzpirat.org/2012/05/bronzeschrauben/

Zu 2.) Viele Decks sind geschraubt und dort kommen dann die berühmten Holzpfropfen zum Einsatz. Die kannst du fertig kaufen, manch einer erstellt die sich aber gerne selbst. Ich würde das nur ins Auge fassen wenn ich das verbaute Holz noch über habe und so genau den gleichen Holzfarbton treffen würde mit diesem Weg.

Zu 1.) klar kann man zusätzlich Schrauben setzen, und in Bereichen wo später ohnehin keiner hinsieht sowieso. Wenn du ganz große Lust hast kannst du ja auch die Kupfernieten ersetzen, da würde ich aber vorher an Mustern üben.
Schönen Halbwind!___________/)___/)____/)__

Malte

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#3
Hey Malte,
danke Dir für die Antworten!
Ich werde dann wohl das meiste schrauben. Im verdeckten Bereichen mit Va4, im Sichtbereich mit Bronze/ Messing.
VG,
Hanna
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#4
Hi Hanna,

Nieten verwendest Du vor allem dann, wenn Du mit dünnen Materialstärken arbeitest, wo Schrauben nicht genug Halt finden, ev. Planke - Nahtleiste. Die Billigbauer verwendeten dazu auch mal (Kupfer-)Nägel, die dann innen umgeschlagen und versenkt wurden (bbrrrr!).

So konnte man (früher) auch bei dünnen Materialstärken ohne Kleber dichte Verbindungen erzielen.

Wenn Du beim Nieten setzen die Vorder- und Hinterseite nicht gleichzeitig mit zwei Händen erreichen kannst (was bei Nahtleisten im Bodenbereich selbst für die Größten unter uns schwierig wird - vor allem im Bereich von Spant 6), brauchst Du eine/n Helfer/in zum Gegenhalten.
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#5
Hallo Hanna,

tolles Projekt!

Mich würde interressieren wie du die Nägel aus dem Deck bekommen hast.
Wenn rostig, dann fast nicht rauszubekommen ohne das Deck zu zerstören.
Ist bei mir auch so, ich drücke mich seit Jahren davor mal alle Proppen rauszupopeln und neu zu verschrauben...
Gibt etliche schwarze Stellen von rostigen Nägeln bei mir, und der Rost drückt irgendwann die Proppen hoch.

BTW, musstest du sooo viel zerlegen?
Grüße, Steffen.
~~~wasseruntermKiel~~~
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#6
Lieber Mike und Steffen,

danke für die Tipps!
Ich habe eigentlich nicht vor neu zu Nieten, aber mal schauen was mir noch begegnet. Aktuell habe ich vor alles nicht sichtbare mit Va4 zu Schrauben das geht dann schneller und wird eh mit Stopfen verschlossen.

Ob und wieviel ich hätte zerlegen müssen bin ich mir nicht sicher. Hatte mich entschieden das Deck runter zu nehmen um besser überall ranzukommen. Hat sich m.E. auch bereits bewährt, da ich dadurch marode Leisten gefunden habe die vorher nicht sichtbar waren. Ich habe aus dem gesamten Rumpf von Innen eine unglaubliche Menge "Schlonze" (altes, verhärtetes und verdreckten Halböl) runtergeholt damit das Holz von innen wieder aufnahmefähig wird für neues Öl. Ohne das Deck abzunehmen hätte ich auch das angegammelte Top des Bugs nicht bemerkt.

Die Decksnägel habe ich aufgebohrt wo es nicht anders ging und die Reste in die Leisten durchgeschlagen bis ich die Decksplatten abheben konnte. Danach dann die rausstehenden Enden mit der Zange rausgezogen. Problematisch war es bei den Stahlnägeln, Kupfernägel ließen sich gut rauspopeln. Zum rauspopeln der Holzstopfen ging es am besten mit einem Phasenprüfer, der hatte die richtige Größe und Stabilität dafür. Ja das Deck hat gelitten (alles andere wäre gelogen). Da es aber in einigen Bereichen vergammelt war habe ich mich für die große Maßnahme entschieden. Ich überlege den Randbereich mit Mahagoni neu anzusetzen also grade da wo viel genagelt war und auf jeden Fal großräumig um die Püttinge, da war es großräumig weggegammelt. Für die Stopfen habe ich mir Zapfenschneider und Forstnerbohrer besorgt. Hab ich aber noch nicht ausprobiert.

Aktuell verstärke ich die Spanten rund um den Schwertkasten. Tauschen ist schwer, da ich nicht von Außen das GFK beschädigen will. Das ist dann was für die nächste Runde... Und gestern hat sich dann leider rausgestellt dass auch die Mastaufnahme vergammelt ist, der Bolzen war durch und drumherum leider keine Substanz.

Es kommt immer wieder was dazu ;-)

Viele Grüße,
Hanna
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