Wandersegeln Peene II

Hallo zusammen,
ich freue mich sehr darüber das Matthias U., langjähriger Holzpiratenfestival Teilnehmer, uns mit seinem Holzpiraten Elise wieder auf eine Reise nimmt. Vielen Dank, Matthias!
Euer Malte


Ein knappes Jahr später bin ich wieder in Stolpe

… und kann das Boot dort einsetzen, wo ich im vergangenen Herbst ausgeslippt hatte. Zur Anreise zum Holzpiratenfestival ist das Boot wieder auf dem Trailer und so bietet sich eine Wanderfahrt davor natürlich an. Am Wasserwanderrastplatz Stolpe kann ich den Trailer und das Auto für ein paar Tage parken und starte zunächst ohne Wind paddelnd Richtung Anklam.

So taucht man langsam in die neue Welt auf dem Wasser ein, immer mal ein Kaffee kochen und einfach aufs Wasser schauen.

Hinter Anklam …

… werde ich beim Yachtclub Peene Anklam e.V. sehr freundlich aufgenommen und kann dort mein Zelt aufstellen.

Das Winterlager besteht dort aus einem langen Bootsschuppen, in dem die Yachten über ein Schienensystem in Reihe geparkt werden. Kein Kran, kein Traktor, eine Winde reicht, um die Boote auf ihrem eigenen Wagen aus dem Wasser zu ziehen. Anschließend schieben mehrere Segler auf einer quer verlaufenden Schiene die Yachten an ihren Platz. Am Morgen lehnt der Verein eine Campinggebühr ab und sie schicken mich mit achterlichen Wind zur Mündung der Peene in den Peenestrom.

Dort entscheide ich mich für die nördliche Route Richtung Greifswalder Bodden. Dank des Klappmastes muss ich nicht auf die Brückenöffnung der Zecheriner Brücke warten.

Der Peenestrom trennt die Insel Usedom vom Festland und ist betonnt.

Ich segel weiter zum Seglerhafen Rankwitz, der Kirchturm von Usedom liegt östlich querab.

In Rankwitz wird es touristisch, Fischgaststätte, Ferienhäuser, alles neu, schick und viel Trubel. Ich darf trotzdem auf der Wiese neben dem Hafen das Zelt aufstellen. Ich freue mich sehr, dass das so unkompliziert geht.

Abends bekomme ich eine Einladung von meinen Stegnachbarn ins Cockpit einer schönen Elan.

Wir verkosten sehr gemütlich ein Sortiment belgisches Bier. Als Segler aus Dresden kennen sie natürlich die MS-Rückenschwimmer und die geschleppten Piraten aus dem Blog https://www.holzpirat.org/2021/06/viele-gruesse-an-die-elbpiraten/ Die Windvorhersage für den nächsten Tag meldet westlich 4-5 Bft. und ich möchte ohne fremde Hilfe aus dem schmalen Hafen kommen. Die Ausfahrt ist westlich und zum kreuzen zu schmal. Ich stelle mir den Wecker auf früh um 4, frühstücke im Zelt, packe meine Sachen und verhole mich in der Morgendämmerung an einen Steg außerhalb der schmalen Hafenausfahrt.

Hier kann ich bequem ablegen und segel mit halben Wind nach Norden im Sonnenaufgang und Morgendunst. Ich entdecke das Leuchtfeuer zur Tonne 72 und muss nun nur nach Kompass 321° steuern.

Es ist traumhaft mit der Jolle lange Strecken bei konstantem Wind zu segeln und so den Tag zu beginnen. Beim Aufkreuzen Richtung Wolgast in der Negermark-Rinne gibt es für mich eine Lektion in Sachen Namensgebung in Seekarten. Die ist auch für Jollensegler interessant und eine Rinne ist wirklich eine Rinne, das Schwert schleift außerhalb der Tonnen über den Grund.

Im Achterwasser gibt es eine Lateraltonne die heißt „Trockener Ort“. Einheimische Segler meinen, diese Tonne soll man auch mit der Jolle unbedingt korrekt passieren. Weiter geht´s vorbei an der Peene-Werft zur Peenebrücke-Wolgast, an der ich wieder zur falschen Zeit bin und so den Mast legen muss.

Nördlich von Wolgast erinnert mich der Peenestrom an die Schlei.

Hier treffe ich zum ersten mal das Plattbodenschiff „Weisse Düne“ in seinem Revier.

Den letzten Abschnitt des Peenestroms zwischen Kröslin und Peenemünde muss ich bei mittlerweile nordwestlichen Wind aufkreuzen und habe leider keine Hand frei zum Fotografieren.

Interessanterweise bin ich sogar schneller als ein Segelkanu unter Motor auf direktem Kurs. Plötzlich öffnet sich das Fahrwasser und am Horizont ist Mönchgut auf Rügen zu sehen.

Weiter nördlich wage ich mich nicht, der Peenestrom ist ja auch hier zu Ende. Auf der Spandower-Hagener Wiek werden die Wellen höher und der Wellenbrecher auf dem Deck tut gute Dienste. Mir wird es mulmig und so wende ich Richtung Freest. Freest ist ein alter Fischereihafen.

Hier hole ich mir Fischbrötchen, ein Bier und schaue am Strand zur Insel Ruden, alles passt.

Bei der Sportgemeinschaft Seesegeln Freest e.V. kann ich Elise am Steg, der eigentlich zum Kranen ist, festmachen und mein Zelt aufbauen.

Die mäßige Brise aus West am nächsten Tag bestimmt den Kurs zurück in den Peenestrom.

Greifswald gegenan ist einfach nicht drin, so besuche ich noch den Hafen von Peenemünde mit dem rostigem russischen U-Boot.

Ich habe keine Lust, dort festzumachen und segel bei schönstem Wind lieber südlich zurück durch den Peenestrom.

Nachmittags erreiche ich wieder die Tonne 72 in der Krumminer Wiek mit der markanten Steilküste vom „Weißen Berg“.

Hier habe ich lange überlegt ob ich nach Lassan oder Krummin segeln sollte und mich dann für Krummin entschieden, da ich auf den Naturhafen gespannt war.

Die Anlage ist neu, die Sanitäranlagen super sauber und Krummin ist ein schönes Dorf. Leider gibt es zum Zelten nur ein schmales Stück Wiese zwischen der Restaurantterrasse und dem Hafenwasser, aber es passt und ich darf dort zelten. Abendessen koche ich gleich im Boot, da schmeckt es am besten.

Warum liegen die Yachten nicht mit dem Heck zum Steg wie in der Adria, dann müßten die Stege nicht so hoch sein? Das frage ich mich hier nicht zum ersten Mal. Gut wenn man im Winter immer mal die Kletterhalle besucht. Im Hafen liegt noch ein perfekt restauriertes norwegisches Lotsenboot und ein Zeesenboot. Beide sehr schick.

Die Eigner des Lotsenbootes haben es mit Eiche komplett neu beplankt. Auch der Steven ist neu mit Eiche laminiert, ein passendes Krummholz war nicht mehr aufzutreiben. In meinen letzten Segeltag muss ich wieder zeitig starten, diesmal leider wegen des abflauenden Windes. Bis zur Mittagsflaute erreiche ich noch die Tonne Hohe Schar-S.

Erst hier kann ich den Kurs nach Osten ins Achterwasser ändern. Fischernetze und Untiefen versperren eine Abkürzung. Hier schläft dann der Wind komplett ein und ich paddel mehrere Stunden durch ein fantastisches Segelrevier. Den Kurs nach Stagnieß auf Usedom hatte ich mir schon am Vortag in die Karte gezeichnet und so paddel ich nach Kompass und freue mich, wenn ich die nächsten Tonnen dann mit dem Fernglas tatsächlich finde. Vor dem Ziel treffe ich die „Weiße Düne“ wieder.

Man könnte hier noch viele Tage segeln, es gibt noch viele kleine Häfen und Buchten im Peenestrom und Achterwasser. Ich muss das Auto nachholen, wenn ich rechtzeitig zum Holzpiratenfestival 2021 (mehr Details und Fotos dazu siehe hier) am Steinhuder Meer ankommen möchte. Am Naturcampingplatz Stagnieß miete ich mir am frühen Abend noch ein Rad und fahre an den Ostseestrand.

Mit der Usedomer Bäderbahn kann ich nach Anklam reisen und weiter mit dem Bus nach Stolpe. Wenn es dann beim Aufslippen regnet, fällt der Abschied nicht ganz so schwer.

In dem Revier würde ich gerne nochmal mit einer kleinen Piratenflottille segeln, vielleicht kommt ja jemand mit. Bis dahin!

Viele Grüße Matthias

Wer bis hier durchgehalten hat, hat sicherlich noch an diesem Video Spaß 🙂


PS: wer sich für den ersten Teil der Reise interessiert, der schaue bitte hier.

PS2: Du hast auch einen Segeltörn mit Deinem Pirat gemacht und ein paar Fotos? Lust zu berichten? Melde Dich, denn …!

2 Gedanken zu „Wandersegeln Peene II

  1. Hallo Matthias,
    diese Bilder kommen genau richtig jetzt in der trüben Jahreszeit!
    Zum Lust-machen auf nächstes Jahr!
    Und ja, ich war gerade in Demmin und dachte mir, unbedingt deinen Törn einmal nachzusegeln! Oder vielleicht anzuschliessen und nach Stepnica über’s Stettiner Haff?
    Ich wäre dabei!
    Komm gut über den Winter!
    Ernst (G-114)

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