Lagune von Venedig, Italien

Nach seiner Sardinien Reise überrascht uns Guido Wotzka hier wieder mit einer unglaublichen Segeltour in einem Holzpiraten(!!!). Als Guido diesen Törn per Beamer unseren Festivalteilnehmern präsentierte, gingen vor Staunen sämtliche Unterkiefer runter. So mancher „Salzbuckel“ unter den Seglern konnte schlicht nur seinen Hut ziehen. Sensationeller Törn, Guido! Le chapeau – Hut ab! 

Italien Mai 2008 – Lagune von Venedig

In diesem Jahr fiel für uns die Kieler Woche aus – meine Frau meinte, wenn ich im Frühsommer noch segeln wollte, dann Ende Mai, weil Mitte Juni unser viertes Kind avisiert war…

Also los! Ich hatte keine Vorstellung, was mich erwartet, außer den gängigen Klischees von der überlaufenen Touristenmetropole… aber ein Freund schwärmte von unbewohnten Inseln in der Lagune mit geheimnisvollen Ruinen, das klang spannend! Blieb die Frage, ob man nach Venedig selbst überhaupt rein darf: Überall liest man, dass der Canal de Grande für fremde Boote gesperrt ist (außer für James Bond, natürlich), aber was ist mit den anderen Kanälen? Im Netz ist immerhin eine PDF-Datei der Stadtverwaltung von Venedig zu finden mit den Regularien (englisch!), diese bezogen sich aber offenbar hauptsächlich auf einheimische Boote. Immerhin: „Rowing Boats can circulate in the canals“ – vielleicht gilt das auch für Piraten!

Als ich ankam, war Bora, d.h. dort 5 bis 6 Windstärken, Böen und Regen, so hatte ich erst mal Zeit Slipstellen zu suchen. Es gibt aber keine! Offenbar überhaupt keine Infrastruktur für fremde Boote. Ich habe den Piraten dann bei einem Segelklub in Mestre direkt gegenüber von Venedig an der großen Brücke abgestellt und an den anderthalb Regentagen eben die Stadt mit dem Auto besucht und die Stimmung der blauen Stunden auf mich wirken lassen… (Bild 1 und 2)

01-Blaue Stunde

02-Gondelwerft bei Bora

Dieser Segelclub hat mich dann zwei Tage später, als das Wetter wieder schön war, nach einigem Antichambrieren bei den gemütlichen älteren Herren (denen war es eigentlich noch immer zu windig!) mit dem Kran eingesetzt, ohne was dafür zu nehmen (kommt wie gesagt offenbar nie vor) (Bild 4 und 5), der Hafenmeister hat mir dann noch zwei Seekarten geschenkt!

03 – Lagune Übersicht mit Segelroute (hier Vergrößerung öffnen)

04-Segelclub  Mestre

05-Kranen

 

An diesem Nachmittag fuhr ich nur noch nach Venedig selbst, um mal von der Nordseite aus in die Kanäle zu schnuppern (Bild 6 und 7),

06-Stilleben-Vorfreude

07-Kurs Venedig

und landete in einem schönen Kanal im Stadtviertel Cannaregio, wo es sogar einen „Bürgersteig“ zum Aussteigen gibt (Bild 8 bis 12).

08-Verkehrsschilder

09-Einfahrt

10-Blick stadtauswärts

 

11-enge Gassen

 

12-Liegeplatz

 

Die Nacht schlief ich auf dem Boot im Kanal, was wohl auch kein Problem war – nur am nächsten Morgen hatte ich das Gefühl, auf der Baustelle zwischen 3 Baggern zu liegen – Arbeitskähne, die mit lauten Gasstößen in den engen Kanälen manövrieren und Versorgungscontainer absetzen und Müllcontainer einladen usw… das geht ja alles über die Kanäle! (Bild 13)

13-Arbeitskahn

Es ist überhaupt sehr voll, von einigen der Anlegepfähle kommt man gar nicht an Land, viele sind reserviert („divieto di ormeggio“), und die unmarkierten sind halt auch meistens Parkplätze für die einheimischen Boote; Amsterdam ist dagegen gemütlich für Anfänger! (hrrm… Angebermodus wieder aus!) Deshalb bin ich nicht viel herumgefahren, sondern nur rein und wieder raus (Bild 14 und 15); nachts allerdings ist es sehr ruhig, da sollte etwas spazieren fahren kein Problem sein.

14-morgens vom Boot

15-Ausfahrt

16-Wasserfront von Nordosten

 

17-Toteninsel San Michele

Danach gings wie gesagt nach Murano (Bild 18 bis 21), Burano (Bild 22 bis 25) und Lido di Venezia (Bild 28 bis 32).

18-Murano

19-Murano – komplizierte Beschilderung

20-Murano

21-Murano

22-Kurs Burano – Ruineninsel unzugänglich, Burano selbst ist Gott sei Dank gut zugänglich!

23-Kurs Burano

24-Burano

25-Burano

26-Wasserfront von Süden

27-Durchblick durch den Canale della Grazia

28-Lido di Venezia – Venedig von Lido gesehen

29a-Lido di Venezia

29b-Lido di Venezia

30-Lido di Venezia – Blick auf Ruineninsel

31-Lido di Venezia – Malamocco

 

Lido war insofern eine Enttäuschung, dass man einfach nicht an den Strand kommt! 2 bis 3 Kilometer gelatscht, und nur an der Mauer entlang, wohinter Tausende Umkleidekabinchen stehen, alles privat und abgesperrt. Ich bin dann auf zwei Latte Macchiato in ein Restaurant mit Terrasse am eigenen Strand gegangen, um das Meer mal zu sehen, aber nach Baden und Haare waschen unterhalb der schicken Terrasse wollte ich lieber nicht fragen! Weiter weg von dieser Besiedlung fand ich dann statt Badestrand nur die Murazzi, Uferbefestigungen aus riesigen Felsbrocken, da hatte ich Angst rein zuspringen… (Bild 32).

32-Lido di Venezia – Murazzi

Das Lagunenwasser war übrigens lange nicht so dreckig wie befürchtet, stinkt überhaupt nicht und war etwa so trübe wie die Schlei, nur eben hellgrün statt braun. Zum Waschen reingehen ist kein Problem, aber zum richtigen Schwimmen und Untertauchen war es mir doch noch nicht ganz geheuer (bzw. der Leidensdruck noch nicht groß genug!).

Auf der Rückfahrt fuhr ich mit Motor durch den Canale di Giudecca, wo sogar riesige Fährschiffe an der Wasserfront Venedigs vorbeifahren – spannend: ein Verkehr fast wie zur Kieler Woche, nur aus allen Richtungen und dreimal so schnell, gefühlte anderthalb Meter Schwell… jetzt nur nicht den Außenborder nachtanken müssen! (Bild 33 bis 36)

33-Einfahrt Canale della Giudecca

34-Stapelhub

35-Einfahrt Canal Grande (Verboten!)

36-Massentourismus

Danach noch auf ein paar Cappucino in die Stadt im unteren Teil, in der Nähe des Arsenals (Bild 37 bis 40) und mit Abkürzung durch die Stadtkanäle zu meiner einsamen Insel.

37-Nähe Arsenal

38-Venedig Rückseite

39-Venedig Rückseite

40-Training in der Lagune

Bei dem phantastischen Cappucino überall habe ich überhaupt nur ein einziges Mal Tee gekocht, als ich morgens wegen Ebbe dort nicht wegkam… (Bild 41 bis 45)

41-Suche nach Schlafplatz

42-Schlafplatz gefunden

43-morgens Ebbe

44-Blick auf Burano

45-Einsame Insel

Von dort ging es am letzten Tag zurück, wieder vorbei an der nördlichen Wasserfront von Venedig und weiteren geheimnisvollen Inseln (Bild 47, nächstes Mal!) zum Segelklub, wo gerade ein großes Event mit seltsamen einheimischen Segelboottypen und einer Art Renngondeln stattfand. Dabei habe ich mir noch einen grandiosen Sonnenbrand geholt – das Rauskranen statt -slippen war dann natürlich sehr bequem! Trotzdem war ich etwas geschwächt für die Rückfahrt. (Bild 49)

46-Rückfahrt

47-Geheimnisvolle Insel

48-Pendelverkehr der Oberschicht

49-Abreise

Die Reise war schön, und ich werde wieder hinfahren! Das Klischee stimmt nur zum kleinen Teil: Weniger als ein Viertel ist total vom Massentourismus überlaufen (alles grob geschätzt, eher gefühlt), in ein zweites Viertel verirren sich noch ambitionierte jüngere Touristen mit Rucksack, und der Rest ist ruhig, italienisch-kleinstädtisch, mit viel Leerstand und deutlich für viel höhere Bevölkerungsdichte angelegt. Zwischen 3,-€ (Touristen) und 1,60 € (Einheimische) für einen „Spritz“ liegen nur wenige Dutzend Meter… hoffentlich halten die Einheimischen trotz der Komfortmängel (Auto?) und der bestimmt horrenden Instandhaltungskosten der im Wasser stehenden Gebäude durch. Wie eingangs beschrieben: Wenn man als Einzeltourist mit dem Piraten anreist, bekommt man stellenweise das Gefühl, dass dort gar kein Tourismus stattfindet!

3 Gedanken zu „Lagune von Venedig, Italien

  1. das ist einer der tollsten Reiseberichte , die ich las! Wunderbar!
    Lasst uns tollkühn und mutig bleiben!
    All the best
    Thomas

  2. Klasse! Bin aktuell auf der Suche nach jeder Info zur Lagune mit dem Segelboot. Wir sind zwar nicht aus Holz aber dennoch. Würdest Du die Reise auch ohne Mastlegen nochmals machen? Für eine Jütanlage müsste ich unseren Kahn ziemlich umbauen……

    Viele Grüße und vielleicht sieht man sich nächstes Jahr in der Lagune 🙂

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