Pfropfen raus – ich erinnere mich

Ach herrje, ich hatte ganz vergessen wie mühsam es ist an seinem Boot Restaurierungsarbeiten durchzuführen. Was ist passiert?

Mein Deck ist wellig geworden und an einer alten Bruchstelle aufgebrochen. Dies kündigte sich schon vor einiger Zeit langsam an, aber dann wurde es zuviel des Guten.


Führte ich mein Boot früher eher sporadisch aus der Halle zu Segeln aus, habe ich mittlerweile einen Wasserliegeplatz. Der Witterungen ausgesetzt hat das Boot doch merklich gelitten an verschiedenen Stellen, so auch das Deck am Heck.

Die Pfropfen hatte ich vor 20 Jahren selbst eingeklebt mit Epoxi und auch die darunter liegenden Schrauben aus Bronze-Kupfer hatte ich selbst eingebaut, ich wusste also was mich erwartet. Nun musste das alles wieder runter, etwa drei Dutzend Stück.

Ich habe ganz vergessen wie mühsam es ist mit Bohrer, einem Schraubendreher und Cuttermesser die Schraubenköpfe freizulegen. Besonders den Schraubenschlitz auszukratzen bis er so frei ist, dass ein großer Schraubendreher reinpasst, um die Schrauben zu lösen. Macht Spaß 🙁

So, nun aber das Deck hoch und raus damit.

So hatte ich mein Boot im Jahr 2000 kennengelernt. Der Vorbesitzer hatte sich an der Restauration versucht, das Heck abgenommen und dann abgebrochen. Ein mir vertrauter Anblick, den ich bei meiner Restauration auch zu bearbeiten hatte.

Hier kann man die drei Hauptteile sehen, welche seinerzeit schon von mir mit Ausleistungen zusammengefügt wurden. Die Trittfestigkeit hat all die Jahre funktioniert, wenn auch die Auflagen teils ungünstig waren.

Hier eine Wölbung von der Unterseite gut zu erkennen. Was das für eine braune Grundierung ist, die 1950 verwendet wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Doch was kommt als Ersatz nun drauf? Vollholz? Sperrholz?

Mahagoni ist so gut wie nicht mehr zu bekommen, wäre Bootsbausperrholz also wohl oder übel eine mögliche Option.

Ich telefonierte also rum, um mögliche Bezugquellen zu entdecken. Da kam plötzlich ein Hinweis zu richtigen Zeit zu mir. Niklas hatte auf ebay-Kleinanzeigen ein Angebot einer Mahagoni-Bohle entdeckt und dies sogar in meiner Nähe. Gesagt getan tauchte ich mit meinem abmontierten Deck beim Verkäufer auf, um mir das gute Stück anzusehen. Sie ist etwas über 2 Meter lang, 25cm breit und 30 mm dick – perfekt!

Der Verkäufer war so nett sie ein wenig anzusschleifen zum Farbvergleich. Ich hatte meine braune Rückseite hierzu angeschliffen. Es passte recht gut. Ich schätze aber, dass das neue Holz etwas rötlicher ausfallen wird. Nun ich darf nicht allzu wählerisch sein. Nach so einem Stück Vollholzmahagoni kann man lange suchen und wie es nach der Lackierung dann ausfällt wird sich zeigen. Der Verlauf der Maserung sieht sehr gut aus.

Für schlanke 50 EUR wechselte diese Bohle den Besitzer und der Verkäufer (auch ein Segler mit einigen Restaurierungen inkl. Pirat, in Aufgabe seines Hobbys) freute sich, dass sein Holz noch eine gute Bestimmung haben wird. Ein echter Glücksfall zur rechten Zeit für mich. DANKE Niklas!

Freundlicherweise gab er mir sogar noch einen alten Piraten Wellenbrecher aus Mahagonie mit und ein Bootsbausperrholzbrett zum Üben für das Pfropfen schneiden und bohren. Ob ich mir dies geben werde ist noch nicht entschieden. Mir fehlt die Ausrüstung dazu, aber mir wurden sogleich Muster gezeigt von Pfropfenbohrern bzw. Zapfenschneidern. Das Gegenstück ist leider nicht scharf drauf gekommen und der Name fehlt mir – Fräsbohrer, vielleicht? Da die Schrauben aber einen Senkkopf haben müsste ein normaler Bohrer am Ende (zuerst Holzbohrer, dann Eisenbohrer wegen des Winkels) eigentlich reichen.

Jetzt sind es allerdings nur noch 4 Wochen bis zum Festival und ich erahne, dass ich die Reparatur bis dahin nicht rechtzeitig fertig bekommen werde. Ich benötige einen Tischler der mit die Bohle aufsägt, zuschneidet und hobelt auf meine Maße. Selbst dann steht noch das Verschrauben und Verkleben an, sowie die zahlreichen Lackierschichten. Ich will es nicht über das Knie brechen, es muss ordentlich werden.

Da ich jedoch mit dem Boot am Holzpiratenfestival unbedingt teilnehmen möchte, werde ich wohl ein Provisorium montieren. Im Moment schwebt mir eine ganz hässliche MDF Platte vor. Ja, ich weiß das ist schrecklich, also lasst Euch schocken wenn wir uns auf dem HPF sehen 🙂
Schlimmer als die provisorischen Bodenbretter von Mike B. damals kann es ja nicht werden 😉

[update 17.8.2022]

Nun ist mein provisorische Deck am Heck verschraubt damit es übermorgen zum Holzpiratenfestival gehen kann. Gegen leichte Feuchtigkeit hatte noch ich da noch so eine Dose mit grauen Lack rumstehen…

Auf Propfen habe ich verzichtet 😉 damit es häßlich bleibt 🙂

Was für ein Kontrast …

4 Gedanken zu „Pfropfen raus – ich erinnere mich

  1. Für die Pfropfen heißt der Bohrer umgangssprachlich „Propfenbohrer“ Fachchinesisch aber z.B. „Zapfenschneider“.
    Haufen kannst du sowas z.B. bei Dictum.
    https://www.dictum.com/de/rund-konusschneider-bakj/fisch-zapfenschneider-oe-10-mm-707051
    Ist aber recht teuer. Und du brauchst UNBEDINGT eine Ständerbohrmaschine.
    Mangels Zentrierspitze springt der Pfropfenbohrer sonst unkontrolliert durch die Gegend bevor er greift.

    Pfropfen (umständlich hochprofessionell auch „Querholzdübel“ genannt) kann man auch fertig kaufen.
    Wenn du aber sinnvollerweise das Originalholz haben willst, so könntest du auch etwas davon zum Holzpiratenfestival mitbringen (Idealerweise als Leisten mit 2 mm mehr Breite und 5mm mehr Höhe als die gewünschten Pfropfen) und einen gewissen Bootsbauer bitten dir die nahegelegene Werft zu zeigen. Und „ganz nebenbei“ könntst du dort mal Pfrofenbohrer und Standerbohrmaschiene „ausprobieren“. 😉

    So schwer zu bekommen ist Mahagoni übrigens nicht, ihr braucht nur einen gut sortierten Holzhändler. Ich war (bisher) bei Klöpfer.
    In Berlin oder per Versand ist aber auch Krätschmer (https://www.bootsholz.de/) empfehlenswert. Ein netter Typ, der euch auch Material individuell zuschneiden kann. Und evtl. kann er auch gleich passende Pfropfen herstellen.

  2. Hi Malte, da hast Du ja eine schöne Aufgabe…. Das Deck ist meist aus Gabun gefertigt, also kein Mahagonie…… ist schwer zu bekommen. Eventuell noch bei Sommerfeld Thiele. Der Mahagoni, ist wohl Kaya, hat eine andere Struktur und Farbe. Ich hatte damals auch so meine Schwierigkeiten entsprechendes Holz für das neue Deck von „Amy“ zu finden.
    Die Holzdübelbohrer sollten im gut sortierten Fachhandel zu erhalten sein, notfalls auch bei Toplicht, liegt ja näher bei Dir.
    Viel Erfolg! Bei Fragen meld dich einfach…
    Herzliche Grüße
    Didi

  3. Hallo Malte,
    schau her, hast du auch gerade eine Großbaustelle. Für die Holzdübelfertigung guck mal hier:
    https://www.contorion.de/p/bgs-do-it-yourself-zapfenbohrer-satz-6-8-10-13-mm-4-tlg-91152887?q=Zapfenbohrer
    Echter Kampfpreis, aber erstaunlicherweise brauchbar.
    Mit dem Verkleben von Mahagony Massivholz an Deck habe ich eher schlechte Erfahrungen gemacht. Bei der Exposition an Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen hält dann mitunter die Leimfuge und das Holz reisst direkt nebenan. Nur geschraubt hat das Holz noch gewisse Freiheitgrade. Man muss sich wohl damit abfinden, dass sich im Sommer die Fugen bis zu einem gewissen Grad öffnen.
    Deine Bohle sieht übrigens sehr nach Sapeli Mahagony aus (hat diese etwas streifige Struktur). Ist ein schönes Holz, heute noch einigermaßen zu bekommen, aber schwerer und dichter als das ursprünglich verwendete Okoume.
    Gutes Gelingen wünscht Moritz

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