Restauration auf der Straße

Das Leben schreibt manchmal seltsame Geschichten. Jan (634 Käpten) aus Berlin trifft zufällig in Berlin einen anderen Jan, der sein Boot restauriert am Straßenrand im Wohngebiet. Das Boot ist Baujahr 1952 und kommt von einer Werft aus Berlin-Grünau. Das Vorschiff-Deck war durch und wurde von ihm ersetzt, der Wellenbrecher muss runter und dass ist sein größter Schmerz. Sehr viel Matte und Polyester oben und untern rum, aber gut in der Substanz. Jan hat Jan vom Holzpiratenfestival erzählt und ihm Fotos gezeigt. Jan hat versprochen sich über das Forum zu melden und wenn es soweit ist am nächsten Treffen teilzunehmen. 🙂

Hallo Jan!
Willkommen bei den Holzpiraten! Viel Erfolg bei Deiner Restauration.

Danke – für die Zusendung!
VG Malte

[update16.09.2022]
Wie schön! Der Jan auf dem Foto hat sich gemeldet! Seht seinen Kommentar hier.

2 Gedanken zu „Restauration auf der Straße

  1. Hej Jan,
    ich hoffe du erinnerst dich, dass ich dich fragte, ob das Foto okey sei und ich es an Malte schicken dürfte. Du sagtest, dass du dich dann melden würdest und das hat ja wunderbar geklappt.
    Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht dich ‚erwischt‘ zu haben. ‚Gefunden‘, ’sich über den Weg gelaufen!, .. trifft es viel eher. (-:
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht!

    Große Augen bekam ich im letzten Teil. Um unseren Käpten zum HPF zu bekommen, brauchte der Trailer neuen TÜV.
    Eigentlich kein Problem: die Reifen waren mir 2019 in Berlin Charlottenburg (Caprivibrücke) zerstochen worden und somit fast neu. Ich dachte mit Licht checken sei es getan, aber das war weit gefehlt. Ausser einem Blinker und einem Rücklicht ging gar nichts mehr. Ich konnte den Fehler zuerst nicht finden und gab‘ dann schließlich auf. Beim Ankoppeln um ihn zur Werkstatt zu bringen um Licht und TÜV machen zu lassen, viel mir dann zufällig auf, dass das Licht-Kabel rund 50cm hinter dem Stecker mit einem Teppichmesser o.ä. ungefähr zur Hälfte eingeschnitten war. Also hatte – wer auch immer – nicht nur die Reifen zerstochen, sondern gleich auch noch das Kabel gekillt.
    Ich schob‘ das bisher auf den Fakt, dass der Trailer noch ein M-Kennzeichen aus unserer Münchener-Zeit trägt und die Bayern in Berlin nicht so gut gelitten sind. Jetzt berichtest du von genau den gleichen Vorfällen – und bei dir ist ja auch nicht die schlechteste Gegend der Stadt.
    Wirklich, wirklich merkelwürdig: wer macht denn sowas? Und warum?
    Neid kann es ja kaum sein!?! Es gibt Dinge, die versteh‘ ich einfach nicht.

    👋👋👋
    Willkommen an Board Jan!
    Zum nächsten HPF können wir dann ja im Konvoi segeln⛵!

  2. Huch, das bin ja ich 🙂
    Hallo liebe Holzpiratenfreunde, kenne die Seite schon ein wenig länger, blieb aber bislang stumm… bis ich eben letzte Woche auf der Straße sehr freundlich „erwischt“ wurde.
    Den Piraten, 1952 gebaut bei Schönherr in Berlin Grünau, „Petrosilius Zwackelmann“, besitze ich jetzt seit ungefähr 20 Jahren. Der Vor-Vorbesitzer hat eine echt saubere Restaurierung hingelegt, zwar mit viel Epoxy, aber es hält und gammelt überhaupt nicht. Ich musste eigentlich nie viel machen… Mast und Baum (aus Holz natürlich 😉 zweimal neu in 20 Jahren, aber am Rumpf eigentlich nichts. Also außer mal neuen Lack auf die Seite und natürlich das Unterwasserschiff jedes Jahr kurz anschleifen und mit neuem Antifouling beschmieren, aber das geht ja schnell. Und jetzt eben das Problem am Bug. Das war aber auch eher meine Schuld bzw. die eines übereifrigen Sliphelfers, der den Gurt der Trailer-Winsch am Festmacher-Auge am Bug einhakte und dann versuchte, damit das Boot die letzten Zentimeter auf den Trailer zu ziehen, noch bevor ich „Stopp, die Schlinge muss um den Mast“ schreien konnte. War auch alles noch auf der Rampe, also die Schwerkraft war auch noch gegen uns. Dann krachte es im Laminat, das Auge kam hinten hoch aus dem Deck und vorne drückte es sich ins Deck ein. Ich habe das zwar recht schnell erstmal ausgespachtelt, aber irgendwo blieb wohl was undicht. Da ganze hielt immerhin noch 5 Jahre, obwohl die Persenning wegen des Festmachers vorne immer ein wenig offen ist, und vom Vorstag natürlich das ganze Wasser auch dort ankommt. Dieses Jahr war es dann leider endgültig soweit: Vordeck durchgegammelt, ich konnte es mit dem Daumen durchdrücken. Weiter nichts zu tun ging also nicht, spachteln auch nicht mehr – wenn der Vorstag-Beschlag knallt, kostet das auch gleich den Mast. Also Luft angehalten, Stoßgebet abgeschickt, und das Vordeck, zumindest den vorderen Teil, am Rand mit der Oberfräse ausgeschnitten. Führung nur über Parallelanschlag an der Scheuerleiste. Ich hatte echt Angst, aber es ging erstaunlich gut. Darunter war natürlich auch alles gammelig, also konkret der Stringer in der Mitte unter dem Deck und auch der dicke Holzblock ganz vorne, der die Kraft des Vorsegels und des Stags verteilt. Der bröselte schon, wenn man ihn mit dem Stemmeisen nur gestreichelt hat, habe kein einziges mal einen Hammer zum Ausstemmen gebraucht. War irgendein Nadelholz. Die Eichenspanten darunter sahen hingegen noch super aus, nichts bröselig. Also den Block ersetzt, den Stringer ersetzt und ein neues Stück Sapeli-Sperrholz 8mm eingepasst. Und in diesem Moment wurde ich dann vom anderen Jan „erwischt“, 10 Minuten vorher standen noch die Querholzplättchen, welche die Schrauben verdeckten, über das neue Deck raus, sah aus wie ein Igel. Im Bild sieht man noch den kleinen Hobel auf dem Deck liegen. Der Übergang zum restlichen Vordeck gefällt mir jetzt aber nicht mehr, da kommt noch Sapeli-Furnier drauf, sobald es geliefert wird. Zeitplan: Ich denke, dass ich Ende der Saison nochmal kurz absegeln kann. Der Pirat ist eigentlich im Sommer immer ein Wasserlieger (an der Scharfen Lanke), im Winter steht er draußen, aber unterm Dach. Früher war er im Winter in der Halle und es kam am Anfang der Saison die ersten zwei Wochen sehr viel Wasser rein – alle zwei drei Tage zum Pumpen kurz rausfahren, nach zwei Wochen hörte das dann auf und er wurde ziemlich dicht. Jetzt wird er eigentlich nie richtig trocken (außer leider jetzt gerade) und im Frühjahr kommt fast nichts rein.
    Noch eine Bemerkung zur Straßensanierung: da ich auch das restliche Deck gleich neu lackieren wollte und auch sonst viele Arbeitsschritte mit „irgendwas machen, warten bis es trocknet/abbindet/aushärtet, dann wieder was machen, wieder warten…“ gut beschrieben sind, dachte ich, es sei eigentlich nicht schlecht, wenn das Boot dafür vor der Tür steht. Also ich nicht immer ne Stunde rausfahren muss, dann einen Arbeitsschritt erledige und dann wieder ne Stunde zurück fahre. Ich kann das aber nicht wirklich empfehlen, hatte schon zweimal Vandalismus-Schäden in zwei Monaten: Reifen des Trailers zerstochen, Großsschot und Baumniederholer durchtrennt, Sicherungsband des Trailers durchtrennt, Beleuchtungskabel des Trailers abgeschnitten. Alles kein riesiger Schaden, aber nervt und kostet auch viel Zeit. Also machts lieber nicht auf der Straße. Außer natürlich, man will von anderen Piratenseglern angesprochen werden 😉

    Beste Grüße und hoffentlich schaffe ich es zum nächsten Treffen!

    Jan

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