Ein Holzpirat auf der boot 2013 in Düsseldorf

Anlässlich des 75.Geburtstages der Pirat Segeljolle von Carl Martens war auf dem Messestand des Projektes „Deutsche Museumswerft“ ein A&R Holzpirat von 1954 ausgestellt. Wir hatten hierzu auch im Blog zur Teilnahme aufgerufen.

boot2013-holzpirat-P1060967-640px

Wie schon die Jahre zuvor hatten Besucher die Gelegenheit sich ausführlich zu zahlreichen Themen der maritimen Geschichte zu informieren. Kern der Ausstellung ist das interessante Museumsprojekt, welches Bernd Klabunde (Mitgründer vom Holzpiratenfestival, seit 2005 jedoch nicht mehr aktiv dabei) federführend mit großer Energie und Aufwand vorantreibt.

boot2013-holzpirat-IMG_1833-640px

Auch wir vom Holzpiratenfestival hatten schon 2005 bis 2007 die Ehre beim Förderverein Deutsche Museumswerft e.V. mit auf der boot in Düsseldorf zu sein, wie man hier sehen kann.

Nun ein paar Detailfotos zu dem ausgestellten Holzpiraten, welcher mit einem geliehen, original alten Baumwollsegel zu sehen ist (erkennbar an den vielen schmalen Tuchbahnen).

Die Jolle „Pirat“ wird 75

von Bernd Klabunde mit freundlicher Genehmigung.
Quelle: Förderverein Deutsche Museumswerft e.V.
Mitglieder-Zeitschrift No. 32 – Dezember 2012

 

Dieser Segelboottyp kann mit Fug und Recht als „Alte Dame“ bezeichnet werden, denn welche Jolle kann schon auf ein derart langjähriges und vielseitiges Leben zurückblicken. Die meisten der inzwischen „sehr erwachsenen“ Segler haben auf diesem Boot ihre Künste erlernt und mit und auf einem Piraten ihre „Segelbeine“ erhalten, ob sie später nun auf Regatten erfolgreich waren/noch sind oder sich nur als Freizeitskipper betätigten/noch betätigen.

Pirat Jolle

Pirat Jolle

Es war im Jahre 1938, als die Zeitschrift „Die Yacht“ einen Konstruktions-Wettbewerb ausschrieb, den dann Carl Martens gewann. Seitdem sind allein in unserem Land weit über 7.000 Piraten gebaut worden – ob nun auf einer Werft oder durch Eigenarbeit. Eine erhebliche Zahl dieser hergestellten Jollen ist nie beim DSV der BRD oder der entsprechenden Organisation der DDR registriert worden.

Natürlich haben sich die zum Bau notwendigen Materialien mit der Zeit verändert: wurde der Pirat bis in die 1960er Jahre in erster Linie aus Holz hergestellt, wobei es zuerst Vollholz war und man mit den Jahren immer mehr zu einem wasserfesten Bootsbausperrholz wechselte. Dann trat Kunststoff seinen Siegeszug (?) an. Wohl gab es anfangs noch viele Piraten, bei denen wenigstens die Decks aus (Sperr-)Holz waren, doch inzwischen entsteht diese Jolle komplett aus Kunststoff und für nur noch sehr, sehr wenige Neubauten wird Holz verwendet (Vollholz spielt dabei aber fast gar keine Rolle mehr).

Natürlich haben sich auch die Bauvorschriften geändert, doch sein Äusseres hat der Pirat zumindest optisch nicht verloren und ist nach wie vor als solcher zu erkennen.

Auch die Segel sind nur geringfügig in ihrem Schnitt verändert worden, doch war das Material anfangs Baumwolle, während es sich natürlich heute um künstliche Tuche handelt. Ebenfalls hat sich die Anzahl der Tuchbahnen der Segel sehr verringert. 

Holzpiratsegelbahnen

Holzpiratsegelbahnen

In der Anfangszeit – so zeigen es Photos – waren es bis zu 43 (!) Streifen, in den 1970er reduzierte sich die Zahl auf etwa 10 und heute gibt es Segel, die nur noch aus einem durchgehenden Tuch bestehen. Auch das bekannte Segelzeichen (das „Hackebeil“) hat Änderungen erfahren:

Hackebeile

Hackebeile

links eine der ersten Formen,die auf den Segeln von Piraten zu finden waren, rechts die heutige Form. Bei offiziellen Regatten ist die neue Form üblich.

So wie sich alles wandelt, so ist es auch bei der Jolle vom Typ Pirat geschehen – doch die Klassenvereinigung hat ein wachsames Auge darauf, dass die Veränderungen beim Piraten sich in Grenzen halten und diese Jolle weiterhin international vergleichbar gebaut werden kann und selbst die älteren Exemplare an Regatten teilnehmen können. – Übrigens zum Thema „international“: der Pirat ist – wenn auch nicht in jedem Land mit einer eigenen Klassenvereinigung vertreten – so doch in fast ganz Europa zu finden. Klassenvereinigungen gibt es zudem u.a. in der Türkei und sogar in Chile.

Angaben und Daten zum Piraten:

Es handelt sich um eine Jolle, die als ziemlich stabil und sicher zu bezeichnen ist und von Jung und Alt geichermassen gesegelt werden kann. Selbst für grössere Törns ist der Pirat geeignet, wenn man sich denn mit einer Zelt-Persenning, jeweils Luftmatratzen neben dem Schwertkasten und den üblichen Einfachheiten bei dem zur Verfügung stehenden Platz zufrieden gibt und die Seemannschaft beachtet!

Bauform: Knickspantjolle

Takelungsart: Sloop

Länge ü.A.: 5,00 m (Länge a.W.: 4,68 m)

Breite ü.A.: 1,61 m

Segelfläche: 10,00 qm

– davon Grossegel: 7,28 qm

– Vorsegel 2,72 qm

Masthöhe: 6,29 m (über Deck: 5,86 m)

Tiefgang ohne Schwert: 0,20 m

Tiefgang mit Schwert: 1,05 m

Gewicht: 218 kg (segelfertig)

Yardstikzahl: 110 (GFK), 113 (Holz, modern), 116 (Holz, alt)

 

Flottillensegeln mit Holzpiraten – Lust dabei zu sein?

Gunnar und ich haben schon viele schöne Segeltörns gemeinsam erlebt. Wir „passen“ einfach sehr gut zusammen beim Segeln, wenn wir längere Zeit auf engen Raum sind und mit dem geringen Komfort des Jollenwandersegelns miteinander auskommen müssen.

Holzpiratflottille-mit-Malte-und-Gunnar

Holzpiratflottille mit Malte und Gunnar (v.li.)

Wir haben uns vor einigen Jahren vorgenommen jährlich gemeinsam im Holzpiraten für etwa eine Woche auf Segeltour zu gehen. Morgens nicht zu wissen wo man Abends anlegt und sein Zelt aufschlägt, was man am Tag erlebt, hat einfach einen großen Reiz neben den tollen Erlebnissen in der freien Natur.

2012 hatten wir dann die Idee, die Erlebnisse mit anderen Holzpiratenseglern zu teilen und haben spontan auf dieser Homepage nachfragt, ob jemand mitsegelt in Mecklenburg-Vorpommern (Ziel Rügen und seine Binnengewässer). Carsten meldete sich und stieß mit seinem Holzpiraten zu uns. Fünf Tage in Mecklemburg-Vorpommern wurden trotz regnerischen Wetters eine tolle Mini-Flottillen-Erfahrung. Das wollen wir wiederholen!

Da es unmöglich ist unter vielen Leuten einen gemeinsamen Termin und Segelrevier abzustimmen, gehen wir einfach wie folgt vor: Gunnar und ich planen für uns selbst den Wandersegeltörn und fragen dann per Email in dem Kreis der Interessierten nach, ob jemand zu dem Zeitpunkt und dem Revier mit dabei sein möchte. Wenn es mit anderen Holzpiraten klappt ist das prima, wenn nicht, dann vielleicht im darauffolgenden Jahr!

Wer also grundsätzlich Interesse hat mit seinem Holzpiraten mit uns zu segeln, bitte ich sich hier zu melden:

Fehler: Kontaktformular wurde nicht gefunden.

Teilnehmerzahl überschaubar ?!

Zitat aus: Yacht Spezial classic Seite 26-28  (Auszug)

Artikel „Nicht wegzudenken“,

Sie stehen im Schatten der Großen. Warum kleine Klassiker dennoch tragender Teil der Szene sind, erläutert der Jollen-Experte Manfred Jacob

Yacht-Spezial-Classic_2013-1_CIMG43413_200x256Frage: Welche Jollenklassen tun sich hierzulande hervor?

Antwort: Die Sharpies standen mal gut da, das ist eine Einheitsklasse, bei der nur Holz erlaubt ist. Die brachen in Deutschland ein, sind aber in England und Portugal noch stark. Bei den Piraten gibt es ein Holzboot-Treffen, aber die Teilnehmerzahl ist überschaubar. Erwähnen muss man auf jeden Fall die 20er-Rennjollen, die bringen viele Schiffe an den Start. Die Top-Boote sind relativ teuer, doch zum Einsteigen reicht auch ein weniger aussichtsreiches Exemplar. Trotzdem schwächeln sie, wie viele andere, an Überalterung.

Zitat – Ende

Zunächst freute ich mich, dass mein Holzpiratenfestival indirekt genannt wird, aber „überschaubare“ Teilnehmerzahl? Gut die ca. 15-20 Holzpiraten sind im Vergleich zu großen Ranglistenregatten von GFK-Segeljollen mit >50 Booten gewiss eine überschaubare Anzahl, richtig. Das im gleichen Atemzug von „vielen“ 20er-Rennjollen am Start gesprochen wird, dass nehme ich mal mit unter die Lupe.

Bekannte Holzbootregatten wie die Hamburg Summer Classics, Traditionelle Holzbootregatta in Schwerin , Havel Klassik und die Holzbootregatta auf dem Steinhuder Meer mit oft 50 (und mehr) Booten sind groß, aber mit gemischten Bootsklassen. Das zählt meiner Meinung nach nicht in diesem Zusammenhang, da hier viele Jollentypen gleichzeitig mitsegeln. Die Anzahl der Boote einzelner Jollenklassen fällt klein aus.

Wie sieht es also mit den Holzboot-Regatten für einzelne Jollenklassen aus?

Bei den genannten Sharpies liegen die Stückzahlen, bei ca. 15 Stück (davon 5 deutsche Jollen in 2012) bei den German Open, die meisten aktiven Boote sind jedoch in England und den Niederlanden zu finden, nicht bei uns. Die 22er-Rennjolle des oben interviewten Herrn Jacob kommt selbst auf 17 Stück (2011), also auch ca. 15-20 Stück wie die Holzpiraten. Ist das nun überschaubar oder viel? Die O-Jollen haben keine mit dem Holzpiratenfestival vergleichbare Regatta oder Initiative. Hansajollen sehe ich schon eher als kleine Dickschiffe.

Andere alte Jollen in Holz (in nennenswerter Zahl) – Fehlanzeige!

Schaut man sich also die Zahlen an: Piraten ca. 15-20, Sharpies ca. 15, 22er-Rennjollen ca. 15-20, dann ist das jeweils „überschaubar“ bzw. groß. Zieht man den Kreis größer bis hin zu den Jollenkreuzern, muss man leider feststellen, das die gesamte Holzjollenszene deutschlandweit recht überschaubar ist. Das Festival der Holzpiraten ist hierbei eine bekannte, feste Größe (2013 zum 10.Mal) und mit dieser Homepage als Anlaufstelle für alle „Holzwürmer“ unter den Seglern anderen Jollenklassen weit voraus derzeit.

Fotos von Werftplaketten ergänzt

Ich freue mich sehr weitere Fotos von Werftplaketten durch meine Leser erhalten zu haben. Ich habe die bestehende Sammlung heute ergänzt (Neuauswahl unten). Wer mehr über die Bootswerften bei den Holzpiraten wissen möchte, findet mehr auf dieser Seite. Interessant sind zum Beispiel die Anzahl der gebauten Einheiten.

Derzeit suche ich Plaketten z.B. von HEIN, SCHNEIDEREIT, FRICKE & DANNHUS, LINNEKUHL, HENRIKSEN und BÜNNER. Falls Sie eine solche Plakette haben, senden Sie mir bitte ein Bild in Originalgröße zu.