Holzpiratenfestival auf Abstand geht gar nicht

Hervorgehoben

Moin zusammen.
Die schlechte Nachricht gleich vorab: wir haben uns dazu durchgerungen, das Treffen in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Die Gründe sind vielfältig und inzwischen auch hinlänglich bekannt, aber wir möchten dennoch an dieser Stelle unsere Entscheidung begründen:

Die Beschränkungen, die aufgrund der Corona-Pandemie erlassen wurden, werden zwar nach und nach gelockert, jedoch sind bestimmte Kernelemente davon ausgenommen. Abstandsgebote, Maskenpflicht und erhebliche hygienische Auflagen in Bezug auf gemeinsam genutzte Sanitäranlagen und bei der Ausgabe von Speisen und Getränken bleiben bestehen und zwar vermutlich noch auf längere Zeit. Gerade die beiden letzten Punkte können von professionell geführten Einrichtungen (z.B. Jugendherbergen) mit dem entsprechenden Aufwand tatsächlich umgesetzt werden. Es ist ziemlich unrealistisch, dies von dem mehr oder weniger improvisierten Treffen auf dem Gelände des Segelclubs von Urte in Lychen erwarten zu wollen. Weder der Segelclub, noch Urte oder wir beide können dafür die Verantwortung übernehmen.

Regatten sind ja durchaus erlaubt, auch die Kieler Woche wird im Herbst stattfinden, allerdings nur der sportliche Teil. Das Kernelement unseres Holzpiratenfestivals ist sicherlich das gemeinsame Segeln, in welcher Form auch immer, aber wer seine Erinnerungen an die vergangenen Treffen mal vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt, wird erkennen, dass das gemeinsame Zusammensein drumherum genauso wichtig ist, ja, es nimmt sogar deutlich mehr Zeit in Anspruch. Ein Holzpiratenfestival, wo jede Crew sich alsbald in ihr eigenes Zelt zurückzieht und wir uns von Ferne zuprosten – nee, lieber nicht.

Ein weiterer Punkt: nicht nur unsere Boote gehören i.d.R. in die Hochrisikogruppe, auch für viele der Eigner*innen trifft dies zu. Sie würden wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend anreisen. Und diejenigen, die das alles eher auf die leichte Schulter nehmen, müssten sich letztlich dennoch das Risiko eingestehen.

Die öffentliche Wahrnehmung, die unseren Festivals in all den Jahren zuteil geworden ist, war eine sehr schöne Erfahrung. Auf das öffentliche Interesse in Zusammenhang mit einem neuen Corona-Hotspot in Lychen möchten wir gerne verzichten.

Von Urte kam der Vorschlag, quasi virtuell gemeinsam Festival zu feiern. Dazu könnten wir alle an dem Wochenende mit unseren Piraten auf dem heimischen Revier segeln und dabei Fotos und/oder Videos machen und diese dann auf der Webseite teilen. Auch eine gemeinsame Videokonferenz am Abend ist möglich. Hier sind wir für alle Ideen offen. Hinterlasst uns gerne einen Kommentar. Ansonsten sehen wir uns hoffentlich im kommenden Jahr. Bleibt gesund!

Malte & Mike

PS: unabhängig vom uns haben sich ohnehin schon ein paar sehr aktive Teilnehmer von Euch zum gemeinsamen Wandersegeln vor oder nach dem HPF hier im Forum verabredet gehabt. Wer mag kann dieses ja als Alternative sehen, auf eigenes Risiko. Dieses wäre ein rein privates Treffen unter Euch, ohne Rahmenprogramm, ohne Veranstalter.

Unser alter Holzpirat (OE 371)

Mein Vater war bereits in seiner ursprünglichen Heimat Berlin in den 1960ern am Wannsee begeisterter Pirat-Segler. Beruflich ging es nach Wien, und als er 1979 unser Ferienhaus in Weiden am See erwarb, war schnell der Gedanke da: ein Pirat muss her. Über Christian Claus, Olympiateilnehmer 1988, der damals ebenfalls in Weiden wohnte, bekam mein Vater den Hinweis, dass Michael Farthofer in eine andere Klasse gewechselt habe und seinen Holzpiraten verkaufte. Es handelte sich um ein 1973er Baujahr des Bootsbauers Irzl an der Alten Donau. Die Segel waren vom Raudaschl (dessen Tochter war später meine Arbeitskollegin). Um öS 65.000 wechselte das schmucke, flotte Stück Anfang 1980 den Besitzer.

Zunächst segelte mein Vater vorwiegend mit meiner älteren Schwester, ich selbst war sechs und fasziniert von den vielen Schnüren, dem Geruch und dem Aussehen. Wurde das Schiff abends abgetakelt, so sorge ich dafür, dass alle Schnüre und Seile geordnet ihren Platz fanden. Trotz eines zeitigen Segelkurses packte mich die Faszination Segeln dennoch vorerst nicht. Vielleicht sorgte eine Ausfahrt nach Podersdorf, die mit einem heftigen Sturm enden sollte und ich mich unter Deck verkroch, dafür, dass ich sehr viel Respekt vor den Elementen Wind und Wasser bekam. Das sollte sich ändern. Mit zunehmender Kraft und größerem Gewicht stieg auch die Lust zu segeln. Und so erlebten mein Vater und ich schöne, unvergessliche Stunden auf dem See, wenn bei günstigem Wind der Spinnaker gesetzt wurde oder etwa beim Preis von Weiden 2007, als an einem Tag vier Wettfahrten bei guten 5 bis 6 Windstärken gesegelt wurden. Im gleichen Jahr lernte ich meine Frau kennen, ich konnte sie leicht für das Segeln begeistern. Einmalig war unser Segelabenteuer nach Mörbisch und zurück, bei ebenso anspruchsvollem Wind; alles auf unserem treuen, alten Holzpiraten. Doch er kam in die Jahre, das Holz bekam Risse, was tun? Vergangenes Jahr übertrug mir mein Vater den Piraten, einen Verkauf verweigerte ich und wir ließen das Holz mit viel Aufwand von Grund auf erneuern. Und nun sitze ich mit meinen Kindern an Bord, werfe den Anker, packe eine Jause aus und genieße Wind, Sonne und Wasser und die gemeinsame Zeit.

Aber unser Pirat bedeutet mehr: an Bord gibt es keine Eile, keinen Termin und kein Handy (nur für Fotozwecke). Er gibt uns gemeinsam Zeit. Zeit gemeinsam das Boot ins Wasser zu werfen, aufzutakeln und zu segeln. Er garantiert gemeinsame Erlebnisse und Zeit, die nur für uns reserviert ist. Wir beurteilen Rippeln auf dem Wasser, beobachten die Richtung, aus der der Wind weht und den Sonnenstand, der sich nur langsam ändert. Uns beschäftigen die Kirchentürme oder Bäume weit im Hintergrund, die uns als Orientierungspunkte dienen. Unser Boot ist vor allem ein Ort guter Gespräche, wir philisohpieren, reden über den Alltag und bevorstehende Pläne, oder stellen einfach fest, dass wir zusammen weniger allein sind. Und im Winter bringen uns Fotos und Erinnerungen an die letzte Segelsaison Sonnenstrahlen und Wärme ins Haus, und wir freuen uns schon lange im Voraus auf den Moment, wo wir mit unserem Piraten die neue Segelsaison eröffnen.

Hannes Hoffert Hösl, Jg. 1974, ist selbstständiger Geograph (georaum GmbH) und seit 40 Jahren mit einem Holzpiraten (OE 371) am Neusiedler See unterwegs.

Hallo zusammen,
Hannes hat sich mit dieser schönen Geschichte zu seinem Familien Piraten bei mir gemeldet. Eine weitere Geschichte eines Piraten der lange in der Famile ist, kann man bei mir hier lesen: Holzpirat seit 1955 in einer Familie.
Ihr habt auch eine schöne Piraten Geschichte? Lasst es mich / uns wissen!
Vielen Dank Hannes! Euer Malte

Holzpirat im TV-Spielfilm (VI)

Die letzten TV-Tipps in denen Holzpiraten im Fernsehen auftauchen sind schon etwas her (zuletzt 2015). Umso mehr freue ich mich, wenn ein aufmerksames Forumsmitglied uns darauf aufmerksam macht (hier im Forum). Vielen Dank, Wastl!

Also, aktuell noch bis 8.September in der Mediathek von 3sat ist der Film mit Thomas Heinze hier abrufbar: ein Holzpirat als Restaurierungsprojekt in der Scheune (Minute 29:10) und erstmals das Segelmodell von Krick (Minute 15:10). Letztere haben sich vor Jahren die Baupläne hier auf der Seite geschnappt und bieten den Bausatz hier an.

Würde mich ja interessieren, wer seinen Piraten hier zur Verfügung gestellt hat – bitte melden.

Jolle wenden mit Schablone

Der vorherige Beitrag hat ja schon viel Begeisterung und Anerkennung ausgelöst. Nun hat sich auch Sebastian H. bei mir zum selben Thema gemeldet. Hier seine Lösung zum  leichteren Drehen des Bootes.
Sebastian hat aus einer Tischlerplatte einen „großen Kreis“ (Durchmesser 1750mm) am Spiegel befestigt. Hierzu wurden 4 Löcher benutzt, zwei für die Heckösenschrauben und 2 für die Schraubzwingen wie auf den Bild zu sehen. Gut abgepolstert wurde dann der Pirat gerollt.

Vielen Dank für deinen Tipp und die Fotos, Sebastian!

Einmal Holzpirat wenden bitte

BEN aus dem Holzpiratenforum ist gerade dabei seinen Holzpiraten wieder in Schuß zu bringen. Hierfür hat er ihn mit einer selbst ausgedachten Konstruktion bei sich auf den Kopf gedreht, um das Unterwasserschiff zu bearbeiten. Wie das genau geht hat er in einem tollen Video festgehalten und uns hier zur Verfügung gestellt. VIELEN DANK, segelben!

Mehr könnt ihr im HPF-Forum hier weiterlesen.